Essen in Abu Dhabi – Was Touristen nie finden und warum das ihr Fehler ist

Al Mina Souk

Die meisten Reisenden essen in Abu Dhabi in Hotelrestaurants oder in den riesigen Malls. Das ist bequem, es ist klimatisiert, es ist teuer und es hat mit der Essenskultur dieser Stadt ungefähr so viel zu tun wie ein Döner am Flughafen mit türkischer Küche.

Wir haben uns aus dieser Komfortzone herausbewegt und dabei einige der besten Mahlzeiten unserer gesamten Reise erlebt. Für einen Bruchteil des Preises.

Der Al Mina Souk am alten Hafen ist ein Pflichtprogramm, aber nicht der aufgehübschte Touristenbereich vorne. Man muss in die Gassen dahinter gehen, wo Fischhändler ihre Ware direkt vom Boot verkaufen. Frühmorgens kurz nach Sonnenaufgang ist der Fischmarkt so lebendig wie nirgendwo sonst in der Stadt. Hier kaufen Köche, Hausfrauen, Restaurantbesitzer. Der Fisch kommt nicht aus der Tiefkühltruhe. Man kann das schmecken.

Luqaimat sind kleine frittierte Teigbällchen, übergossen mit Dattelsirup und bestreut mit Sesam. Das ist das, was Emiratis selbst essen, wenn sie Lust auf Süßes haben. Keine Bäckerei in der Touristenzone hat sie. Man findet sie in kleinen Straßenständen in Wohnvierteln, in alten Cafés ohne englische Speisekarte, manchmal sogar bei Anwohnern, die abends vor dem Haus stehen und selbst gemachte Sachen verkaufen. Sie kosten fast nichts und schmecken nach echtem Abu Dhabi.

Karak Chai ist der hiesige Gewürztee mit Kardamom, Zimt und einer Spur Safran. In einem normalen Café in einem Wohnviertel kostet eine Tasse weniger als einen Euro. Im Hotelcafé das Vierfache. Der Geschmack ist in beiden identisch. Die Atmosphäre nicht.

Wir haben an einem Abend in einem Restaurant gegessen, das keine Speisekarte auf Englisch hatte, nur vier Tische und einen Wirt, der nicht wusste, was er mit uns anfangen sollte. Er hat uns am Ende einfach gebracht, was er gerade kochte. Zartes Lamm mit Reis, dazu Fladenbrot und eine Sauce, die wir nicht benennen konnten, die aber so gut war, dass wir am nächsten Abend wiedergekommen sind.

Das ist das kulinarische Abu Dhabi, das kein Reiseblog zeigt. Nicht weil es geheim wäre. Sondern weil man sich einfach trauen muss, die klimatisierte Mall zu verlassen und in eine Straße einzubiegen, die nicht auf Google Maps als Sehenswürdigkeit markiert ist.