Was wir über Glaube und Gastfreundschaft gelernt haben

Man muss offen auf Menschen zugehen. Das ist in Abu Dhabi nicht schwerer als anderswo. Eigentlich sogar leichter, wenn man aufrichtig neugierig wirkt und grundlegende Höflichkeitsregeln kennt. Direkte Fragen zur Religion sind in Ordnung, solange man respektvoll fragt und zuhört. Das haben wir gelernt, und es hat die Reise in etwas verwandelt, das weit mehr war als Tourismus.

Unser erstes längeres Gespräch hatten wir mit einem Taxifahrer, einem gebürtigen Emirati in den Fünfzigern, der seit seiner Jugend in Abu Dhabi lebt. Er sprach überraschend gut Deutsch. Drei Jahre in München hatte er gearbeitet, vor langer Zeit. Als wir ihm erklärten, dass wir wegen Weihnachten gekommen sind, um zu verstehen, wie eine muslimische Stadt mit diesem Fest umgeht, schwieg er kurz. Dann sagte er: Christen und Muslime sind Leute des Buches. Wir glauben an denselben Gott. Das Fest der Geburt von Isa ist nicht unser Fest, aber es ist kein schlechtes Fest. Mehr brauchte er nicht zu sagen.

Im Café eines Museums trafen wir eine junge Emiratin, die dort arbeitete. Sie war vielleicht 25, trug ein Hijab in Dunkelblau und sprach fließend Englisch. Sie hatte auf Netflix Weihnachtsfilme gesehen und fand die Tradition der Bescherung schön. Was sie interessierte: Warum Europäer bei Weihnachten so oft weinen. Wegen der Filme, wegen der Stimmung, wegen der Familie. Das verstand sie gut. Was sie nicht verstand, war der Alkohol. Nicht vorwurfsvoll. Wirklich nur neugierig.

Im alten Souk sprachen wir mit einem Händler, der Gewürze verkaufte und aussah, als hätte er schon tausend solcher Gespräche mit Touristen geführt. Er hatte auch tausend solcher Gespräche geführt. Aber als wir ihn nach Weihnachten fragten, wurde er ernst. Er erklärte uns, dass es in seiner Familie durchaus Diskussionen gibt, wie viel westliche Kultur man in den eigenen Alltag lassen sollte. Nicht wegen Weihnachten speziell. Sondern wegen der Geschwindigkeit, mit der sich die VAE verändert haben. Manche finden das gut. Manche nicht.

Das war der ehrlichste Moment der ganzen Reise. Nicht die Hochglanzkutur, nicht die freundliche Oberfläche. Sondern ein älterer Mann, der zugibt, dass sein Land sich verändert und er selbst nicht sicher ist, wohin die Reise geht.

Gastfreundschaft ist in Abu Dhabi keine Floskel. Sie ist eine ernstgemeinte kulturelle Verpflichtung. Wir wurden mehrfach zum Tee eingeladen, einmal sogar zum Abendessen in ein Privathaus, von einem Bekannten des Gewürzhändlers. Wir haben abgelehnt, weil uns das zu spontan war. Das war im Nachhinein der einzige echte Fehler dieser Reise.