Kein Reiseführer hätte uns auf diesen Moment vorbereitet. Wir standen am Abend des 24. Dezember vor dem Emirates Palace und hörten Weihnachtslieder. Gespielt von einer Live-Band in der Lobby. Der Tannenbaum dahinter war locker zehn Meter hoch. Drumherum standen Emiratis in weißen Kanduras, Inder in Festtagskleidung, Europäer mit Sektgläsern in der Hand. Diese Szene gibt es so nur in Abu Dhabi.
Was uns überraschte: Die Hotels zelebrieren Weihnachten mit einer Ernsthaftigkeit, die man nicht erwartet. Christmas Eve Dinner, Brunch am 25. Dezember mit allem was dazugehört, Weihnachtsmann für die Kinder, Lebkuchen auf den Tischen. Der Unterschied zu Deutschland ist nicht das Was. Es ist das Wo. Weihnachten findet hinter Glastüren statt, nicht auf dem Marktplatz.
Draußen auf der Straße, im normalen Stadtleben, passiert am 24. Dezember nichts Besonderes. Baustellen lärmen weiter. Die Sonne scheint. Menschen gehen einkaufen. Für die meisten Bewohner dieser Stadt ist es ein ganz normaler Donnerstag, und das wirkt an diesem Tag merkwürdig befreiend.
Wir haben Heiligabend am Strand verbracht, bevor wir abends ins Emirates Palace gegangen sind. Der Strand war fast leer. Warmes Wasser, keine Menschenmassen, kein Weihnachtsmarktgedränge. Wir haben uns dabei nicht schlecht gefühlt, was uns zuhause mit Sicherheit passiert wäre. Irgendetwas an dieser Stadt nimmt einem den Festtagsdruck einfach ab.
Was wir in keinem Hotel erwartet hatten: Auf dem Zimmer lag am 24. Dezember eine kleine Weihnachtskarte vom Hotel mit einem Stück Schokolade. Handgeschrieben. Das war keine große Geste. Aber es hat uns mehr berührt als jede aufwändige Weihnachtsdekoration, die wir je gesehen haben.
Der 25. Dezember war für uns ein langer Spaziergang durch die Stadt. Keine Besichtigungen, keine Museen, kein Programm. Wir sind einfach durch Viertel gelaufen, in die Touristen normalerweise nicht kommen. Die Stadt war ruhig an diesem Morgen, ruhiger als sonst. Auch die Baustellen schienen zu schlafen. Der Persische Golf lag flach und glatt wie ein Spiegel da.
Mittags haben wir in einem kleinen indischen Restaurant gegessen, weil es das einzige war, das in unserer Straße geöffnet hatte. Der Wirt wusste, dass wir Deutsche sind, wusste, dass es Weihnachten war, und brachte uns ungefragt ein Glas frischgepressten Mangosaft. Merry Christmas, sagte er, und verschwand wieder in der Küche.
Das war Weihnachten in Abu Dhabi. Keine Perfektion, keine Inszenierung. Aber eine Wärme, die man nicht kaufen kann.











