Es gibt Augenblicke auf Reisen, die man nicht herbeiführen kann. Die einfach passieren. Und die man hinterher als das Eigentliche der Reise begreift.
Wir saßen eines Abends auf der Corniche, auf einer der schlichten Holzbänke mit Blick aufs Wasser. Neben uns ließ sich eine Gruppe älterer Männer nieder. Weiße Kanduras, schwarze Agals, eine Thermoskanne mit Kaffee. Sie schauten aufs Wasser. Wir schauten aufs Wasser. Nach einer Weile sah einer von ihnen uns an, nickte und sagte auf Englisch: Schön, oder? Das war das gesamte Gespräch. Und es war trotzdem eines der eindrücklichsten dieser Reise.
Abu Dhabi hat eine Qualität, die sich schwer greifen lässt. Es ist eine Stadt, die gleichzeitig tief traditionell und radikal modern ist, und die diesen Widerspruch nicht als Problem empfindet, sondern als Identität. Die Sheikh Zayed Moschee strahlt nachts in weißem Marmor. Daneben liegt ein Formel 1 Rennkurs auf Yas Island. Daneben ein Fischerdorf, in dem Männer Netze reparieren wie ihre Großväter.
Der Ruf des Muezzins um halb fünf Uhr morgens hat uns jeden Tag geweckt. Wir hatten das erwartet und trotzdem nicht damit gerechnet, wie es sich anfühlt. Nicht störend. Eher so, als würde die Stadt einem sagen: Ich bin noch da. Und ich war schon lange da, bevor du kamst.
Was uns Abu Dhabi über Weihnachten gelehrt hat, lässt sich vielleicht so zusammenfassen. Ein Fest braucht keine bestimmte Kulisse. Es braucht keine bestimmte Temperatur, keinen bestimmten Geruch, kein bestimmtes Geräusch. Es braucht Menschen, die sich Zeit füreinander nehmen, und die Bereitschaft, mal loszulassen, was man für unverzichtbar hält.
Wir haben Heiligabend ohne Tannenbaumduft verbracht, ohne Schnee, ohne Gänsebraten und ohne Weihnachtsmarktgedränge. Dafür mit einem Sonnenuntergang über dem Persischen Golf, der so bunt war, dass er kitschig gewirkt hätte, wenn er nicht echt gewesen wäre. Mit einem Mangosaft von einem indischen Restaurantbesitzer, der einfach nett war, weil er nett sein wollte. Und mit der stillen Erkenntnis, dass man manchmal sehr weit reisen muss, um zu verstehen, was zuhause wirklich zählt.
Abu Dhabi zu Weihnachten. Ungewöhnlich, ruhig, überraschend schön. Und ein Erlebnis, das man so nirgendwo sonst auf der Welt machen kann.
