Rente in Abu Dhabi

3Es gibt ein Thema, das in keiner Auswandererfantasie über Abu Dhabi vorkommt. Nicht in den Facebook-Gruppen, nicht in den YouTube-Videos, nicht in den Blogbeiträgen, die zeigen wie schön das Leben dort ist. Das Thema heißt: Was passiert, wenn man alt wird?

Wir haben uns damit auseinandergesetzt, weil es uns wichtig erschien. Und weil die Antwort für viele eine echte Überraschung ist.

In den VAE gibt es kein staatliches Rentensystem für Ausländer. Das ist keine Fußnote, das ist ein fundamentaler Unterschied zu Deutschland oder Österreich, wo Jahrzehnte des Arbeitens automatisch in eine gesetzliche Absicherung fürs Alter münden. Wer in Abu Dhabi zehn Jahre arbeitet und dabei kein privates Polster aufbaut, steht am Ende mit leeren Händen da.

Was es stattdessen gibt, nennt sich End of Service Gratuity. Das ist eine Einmalzahlung vom Arbeitgeber beim Ausscheiden aus einem Job. Sie richtet sich nach Dienstjahren und letztem Gehalt. Nach fünf Jahren sind das grob drei Monatsgehälter. Nach zehn Jahren etwas mehr. Klingt zunächst fair, ist aber kein Ersatz für eine monatliche Rente. Es ist eine Abfindung.

Wer in Abu Dhabi in Rente gehen möchte, also wirklich dort leben und nicht mehr arbeiten, braucht dafür ein spezielles Visum. Die Anforderungen sind nicht ohne. Entweder nachweisliches Vermögen von rund 250.000 Euro auf einem lokalen Konto, oder eine Immobilie in diesem Wert, oder eine monatliche Rente aus dem Heimatland von mindestens 5.000 Euro. Wer das nicht mitbringt, bekommt kein Visum für den Ruhestand.

Dazu kommt eine weitere Realität, über die wenig gesprochen wird. Die Sommerhitze in Abu Dhabi ist für ältere Menschen körperlich belastend. Vier bis fünf Monate im Jahr liegen die Temperaturen bei über 40 Grad. Wer jung ist, überlebt das in der Klimaanlage. Wer gesundheitlich angeschlagen ist, hat es schwerer.

Was das alles bedeutet für alle, die mit dem Gedanken spielen, nach Abu Dhabi auszuwandern: Wer geht, sollte von Anfang an wissen, dass er finanziell komplett auf sich allein gestellt ist. Keine gesetzliche Rente, keine Beiträge in die deutsche Rentenversicherung, keine Absicherung, die von selbst entsteht. Wer das ignoriert und einfach gut verdient und gut ausgibt, ohne privat vorzusorgen, schafft sich ein Problem, das erst Jahrzehnte später sichtbar wird.

Die Expats, mit denen wir gesprochen haben, wussten das alle. Aber gehandelt danach hatten die wenigsten konsequent.